Rebsorten in Deutschland

Rebsorten in Deutschland

Am Gaumen werden sich in aller Regel diejenigen Eindrücke bestätigen, die schon durch die Beurteilung mit Auge und Nase gewonnen worden sind. Insbesondere die Wahrnehmung der feineren Aromamerkmale durch Nase und Mund bildet eine untrennbare Einheit, zumal der Ort der Sinneswahrnehmung, wie im Kapitel über die Sinne ausgeführt, derselbe ist die Riechschleimhaut im Nasenraum. "Aroma" meint stets Geruch und Geschmack, nur sind Intensität und Verteilung der verschiedenen Aromastoffe auf dem direkten Weg über die Nase oder auf dem Umweg über den Mund etwas unterschiedlich - manche treten beim Schnüffeln deutlicher hervor, andere am Gaumen. Aus dem Zusammenspiel von Farbe, Geruch und Geschmack ergibt sich ein Gesarmtbild des Weines, das Rückschlüsse auf seine wesentlichen Eigenschaften zuläßt. Viele der im folgenden aufgeführten Merkmale sind einleuchtend und leicht beschreibbar, andere offenbaren sich nur dem erfahrenen Weinkenner. Versuchen Sie auf alle Fälle, bei der "Befragung des Weines" diese Eckpfeiler des Weincharakters immer zu berücksichtigen, und zwar in der angegebenen Reihenfolge.

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Traubensorte

Das sortentypische Traubenaroma prägt den Wein in besonderem Maße. Alle klassischen Rebsorten besitzen ein individuelles Bukett, das allerdings nicht immer leicht erkennbar ist. Der einzige Weg zu einer sicheren Beurteilung liegt im wiederholten Kosten von wirklich erstklassigen Mustern - so lange bis sich die Charakteristika der Rebsorten fest im Gedachtnis eingeprägt haben. Weine aus weniger anspruchsvollen Rebsorten und aus klimatisch und geologisch weniger günstigen Anbaugebieten zeigen oft ein wenig typisches Aroma, das aber durchaus gefallig wirken kann und nicht unbedingt als Mangel aufzufassen ist.

Ob ein geschmacksintensiver oder ein eher milder, neutraler Wein gewünscht ist, hängt in erster Linie vom Verwendungszweck ab: soll der Wein fur sich genossen werden oder ein Essen begleiten? In letzterem Falle würde z.B. zu einem leichten, mild gewürzten Gerichte in kräftiges Weinaroma eher störend wirken. Einige grundlegende Informationen über die wichtigsten einheimischen Traubensorten mit Hinweisen auf die Geschmacksintensität und die typischen Aromakomponenten sind der Übersicht "Die bekanntesten Rebsorten Deutschlands" zu entnehmen.

Die bekanntesten Rebsorten Deutschlands

Ihre Duft- und Geschmacksstoffe mit Einstufung der Geschmacksintensität

Die Beschreibung der Geschmacksintensität erfolgt in die Stufen: sehr leicht, leicht, mittelkräftig, kräftig und sehr kräftig.

Weissweine

Bacchus (sehr leicht bis mittelkräftig)

Neuzüchtung der Bundesforschungsanstalt für Rebenzüchtung Geilweilerhof in der Rheinpfalz. Bacchus ist eine Kreuzung aus Silvaner, Riesling und Müller-Thurgau. Die Weine sind grünlichgelb bis hellgelb, fruchtig, haben ein dezentes Muskatbukett, teilweise mit Kümmelaroma. Sie sind hochwertig, mit viel Extrakt.

Aromen: Schwarze Johannisbeere (bei alten Auslesen), Eukalyptus, Muskattraube, Kümmel.

Gewürztraminer (kräftig bis sehr kräftig)

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Bukettreich, kräftig, fruchtig, würzig. Ab Spätlesequalität hochwertige, körperreiche Weine mit guter Struktur.

Aromen: Ananas, Grapefruit, Limone, Zitrone, Bitterorangenschale, Honig, Akazie, Rose, Holunder, Pfirsich, Haselnuß, Mandel, Zimt, Pfeffer, Minze, Rauchton.

Grauburgunder oder Ruländer (mittelkräftig bis kräftig)

Die Herkunft des Grauburgunders soll auf eine Knospenmutation des Blauen Spätburgunders zurückzuführen sein. Seine ursprüngliche Heimat dürfte in Burgund liegen. Im Sortiment der deutschen Weine gehört er zu den Spitzengewächsen, insbesondere die Spät- und Auslesen. Anspruchsvolle trockene Weine werden gern als Grauburgunder bezeichnet, Weine mit mehr Restsüße als Ruländer. Der Ruländer aus reifen Jahren ist tiefgolden, kräftig bis schwer, ausdrucksvoll, körperreich mit intensivem Bukett, mild bis feinrassig, gehaltvoll.

Aromen: Rauchton, Kastanie, Kokosnuß, Haselnuß, Mandel, Rose, Holunder.

Gutedel (sehr leicht bis mittelkräftig)

Beliebte Tafel- und Keltertraube, die auf der ganzen Welt verbreitet ist. Der Ursprung der sehr alten Rebsorte geht auf Ägypten und die Türkei zurück. Die hellgelben Weine sind wegen ihres geringen Alkoholgehaltes bekömmlich, leicht, süffig und mild.

Aromen: Bierhefe, Bittermandel, bodenbetont.

Kerner (leicht bis kräftig)

Eine Kreuzung aus Trollinger und Riesling, Neuzüchtung der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg. Wegen seiner Frosthärte als Riesling-Ergänzungssorte gedacht. Er erreicht mit Leichtigkeit hohe Mostgewichte und damit gehobenes Prädikatsweinniveau (Spätlesen, Auslesen usw.). Die Weine schmecken frisch, rassig, rieslingähnlich und fruchtig mit deutlicher Säure.

Aromen: Apfel, Pfirsich (junge Weine), Rosinen, Honig.

Morie-Muskat (mittelkräftig bis sehr kräftig)

Die Weißweinrebe Morie-Muskat ist nach ihrem Züchter benannt, Landwirtschaftsrat Peter Morio, Leiter der Bayerischen Nebenstelle für Rebenzüchtung in Neustadt. Zum echten Muskateller besteht keine Verwandtschaft, der Morio-Muskat ist eine Kreuzung aus Silvaner und Weißem Burgunder. Der Wein ist bukettbetont und gehaltvoll.

Aromen: Muskat. Lavendel.

Müller-Thurgau (sehr leicht bis mittelkräftig)

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Von Prof. Müller aus dem Schweizer Kanton Thurgau im Jahre 1882 in Geisenheim gezüchtete Rebsorte. Sie gilt als Kreuzung aus Riesling und Silvaner oder zwischen verschiedenen Spielarten des Rieslings. Eher leichte, blumige Weine mit dezentem Bukett und milder Säure.

Aromen: Zarter Muskatton, Hefe, Apfel, schwarze Johannisbeere, Mango (gute Jahrgänge).

Gelber Muskateller (mittelkräftig bis sehr kräftig)

Der Gelbe Muskateller gilt als eine der ältesten Rebsorten und stammt vermutlich aus dem spanischen Pyrenäengebiet. Bukettreiche Weine mit viel Frucht und Würze.

Aromen: Muskattraube, Holunder, Rose, Pfirsich und Walderdbeere.

Riesling (mittelkräftig bis kräftig)

Wertvollste weiße Rebsorte der Welt. In den nördlichen Anbaugebieten bringt der
Riesling rassige, elegante Weißweine hervor. Die feine, erfrischende Säure verleiht ihm seine anregende, spritzige Art. Der Riesling eignet sich besonders zu langer Lagerung, Spitzenweine bleiben jahrzehntelang frisch.

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Aromen: Feine Frucht, meist an Pfirsich erinnernd, Aprikose, Himbeere, schwarze Johannisbeere.

Ruländer siehe Grauburgunder

Scheurebe (mittelkräftig bis sehr kräftig)

Neuzüchtung der Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey durch Georg Scheu im Jahre 1962, Kreuzung aus Riesling und Silvaner. Weine mit feinem Bukett, aromatisch, pikant, mit rassiger Säure, lebendig und vollfruchtig.

Aromen: Schwarze Johannisbeere, Mandarine, überreife Birne, Banane (bei Auslesequalitäten).

Silvaner (leicht bis mittelkräftig)

Der Name läßt auf Transsylvanien (Siebenbürgen) schließen. Von dort aus wurde die Rebe allmählich über Österreich bis nach Deutschland verbreitet. Die meist milden Weine haben ein neutrales Bukett mit leichter Säure.

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Aromen: Basilikum, Gras, Farn, Holunder, Rosenblüten.

Traminer (kräftig bis sehr kräftig)

Der Traminer zählt in guten Jahren und bei später Lese zu den besten Weißweinsorten. Die fein differenzierten Weine weisen eine würzige, an Wildrosenduft erinnernde Art auf. Der Gewürztraminer ist eine Spielart mit intensiveren Geschmacksnuancen.

Aromen: Ab Spätlese feinster Duft: Quitte, Rose.

Weißburgunder (leicht bis kräftig)

Ausgangspunkt des Weißburgunders, der seit dem 14. Jahrhundert bekannt ist, ist wahrscheinlich der französische Weinort Chardonnay nördlich von Mäcon. Die Weine mit dezentem Bukett sind geschliffen, glatt und von guter Struktur. Sie weisen in der Regel nur eine zarte, feine Säure auf.

Aromen: Apfel, Mango, Walnuß, Aprikose.

Rotweine

Dornfelder (leicht bis mittelkräftig)

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Züchtung der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein-und Obstbau in Weinsberg. Der Dornfelder ist eine Kreuzung aus Helfensteiner und Heroldrebe, also eine Kreuzung aus zwei Kreuzungen. Die Traube ergibt einen tief rubinroten Wein mit kräftigem Bukett.

Aromen: Brombeere, Himbeere.

Lemberger (mittelkräftig bis sehr kräftig)

Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts läßt sich der Lemberger in Österreich nachweisen, ohne daß es gelungen wäre, seine Urheimat aufzufinden. In Deutschland ist er ganz überwiegend in Württemberg anzutreffen. Dunkelroter Wein von rassiger Art mit deutlichem Gerbstoffgehalt.

Aromen: Schwarze Johannisbeere, Stachelbeere, Brombeere, Kirsche. Holunder, Minze.

Müllerrebe oder Schwarzriesling (leicht bis kräftig)

Die Heimat der Müllerrebe (in Württemberg und Nordbaden Schwarzriesling genannt) ist sicher in Burgund zu suchen. Die Sorte ist schon seit 400 Jahren bekannt und gilt als Mutation des Blauen Spätburgunders. Die Weine sind mittel bis dunkelrot, mit viel Frucht und Eleganz.

Aromen: Süßkirsche, Himbeere, schwarze Johannisbeere.

Portugieser (sehr leicht bis mittelkräftig)

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Die Rebe stammt vermutlich aus Niederösterreich, von dort aus wurde sie im Jahre 1800 nach Bad Dürkheim eingeführt. Die Weine sind hellrot, leicht, frisch, feinfruchtig mit leichtem, angenehmem Bitterton.

Aromen: Rote Johannisbeere, Erdbeere, Himbeere, Pfirsich, Muskatnuß.

Samtrot (mittelkräftig bis kräftig)

Die Sorte Samtrot ist eine Mutation der Müllerrebe. Sie wurde in der Weinbaulehranstalt Weinsberg züchterisch bearbeitet. Die Weine sind rubinrot bis dunkelrot, samtig, gehaltvoll, mit viel Frucht.

Aromen: Pflaume, Kirsche, Pfirsich, Lorbeer.

Schwarzriesling siehe Müllerrebe

Spätburgunder (mittelkräftig bis sehr kräftig)

Die Urheimat des Blauen Spätburgunders ist sicherlich Burgund, obgleich genaue Unterlagen über die Herkunft fehlen. Der Wein ist hell- bis dunkelrot, vollmundig, samtig, mit schöner Frucht und Rasse.

Aromen: Himbeere, Erdbeere, Brombeere, Feige, Rauchton und Quittengelee (bei Auslesen).

Trollinger (sehr leicht bis mittelkräftig)

Südtirol ist die Heimat des Trollingers, in Deutschland ganz überwiegend in Württemberg anzutreffen. Die Weine haben dank ihrer deutlichen Säure eine frische, rassige Art, sie sind leicht und fruchtig.

Aromen: Leichter Bitterton, Muskat, schwarze Johannisbeere.