Kalifornien

Kalifornien

Die Weinregionen Kaliforniens erleben in den letzten beiden Jahrzehnten einen Boom ungeahnten Ausmaßes. Der Weinanbau erstreckt sich beinahe über die gesamte Staatsfläche, in 45 von 58 Counties (Gemeinden), auf 163 000 ha Fläche, wird Wein angebaut. Die Weingärten reichen von San Diego bis Mendocino, vom Pazifik durch das Central Valley bis hin zur Sierra Nevada; lediglich in der Vulkanregion im Norden, in der östlichen Sierra Nevada und in der südlichen Wüstenregion ist Weinanbau geologisch und klimatisch unmöglich. Man unterscheidet grundsätzlich fünf Regionen oder California Viticultural Areas: Northern Coast, Central Coastal, Central Valley, Sierra Foothills und Southern California. Das Klima in den Anbauregion wird von der Nähe zum kühlen Pazifik und der Coastal Range, dem Küstengebirgszug, und dem heißen Central Valley bestimmt. Aufgrund konstanter Wetterbedingungen, zuverlässigem Sonnenschein und wenig bzw. keinem Regen von April bis Oktober - die El-Nino-Schwankungen 1997/98 sind Ausnahmen - kommen die Trauben wie in keiner anderen Anbauregion der Welt zur perfekten Reife.

Speziell die beiden Hauptweinregionen Napa Valley und Sonoma profitieren von den spezifischen klimatischen Gegebenheiten:

Nebelbänke bilden sich vom frühen Frühjahr bis in den Spätherbst entlang der nordkalifornischen Küste - ausgelöst von einem kalten Meeresstrom aus Alaska - und ziehen am Abend über die San Francisco bzw. San Pablo Bay in die beiden Täler hinein, um sich am Morgen bzw. Vormittag wieder aufzulösen. Die Folge sind relativ kühle, feuchte Nächte nach heißen, trockenen Tagen. Lange Frostperioden oder Hagel sind die absolute Ausnahme, sommerliche Niederschläge sind selten und beständiger Sonnenschein die Regel.Trotz ähnlicher Bedingungen entlang des gesamten Küstenstreifens bis Santa Barbara existieren verschiedene Mikroklimate, abhängig von Nebelintensivät, pazifischen Winden, Höhenlage usw. Gepaart mit verschiedensten Bodentypen - von Kreide, Kalkstein, Löß, Vulkangestein bis hin zu Lehm - entstehen unterschiedliche "Terroirs", die die Wahl der richtigen Rebsorten zum alles entscheidenden Faktor machen.

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Man vergleicht, in erster Linie wegen der geographischen Lage, das Napa Valley gerne mit dem Bordeaux, Sonoma County mit dem Burgund und die Central Coast mit dem Rhonetal. Die in den USA üblichen Klimaklassifizierungen nach Regionen I-V von den Professoren Amerine und Winkler 1944 erstellt, gehen von den Tages-durchschnittstemperaturen während eines 24-Stunden-Zeitraums aus. Tage mit über 10°C (60°F) während der Wachstumsperiode vom 1.4. - 31.10. werden als "Degree Days" gewertet und für die Einteilung in die fünf Klimazonen herangezogen. Im Sonoma County ist diese Einteilung durch die Begriffe "Coastal Warm" und "Coastal Cool" ergänzt worden, da es hier besonders wichtig ist, die Sonnenscheindauer mit zu berücksichtigen.

Die Klimazonen

Zone 1: unter 2.500°F, z.B. Carneros, Mendocino, Santa Clara, Santa Cruz, Monterey; vgl. Cote d'Or oder Rheingau.

Zone 2: 2500 -3.000°F, z.B. Südteil des Napa Valleys; vgl. Bordeaux.

Zone 3: 3.000 - 3.500°F, z.B. nördliches Napa Valley; vgl. Rhonetal.

Zone 4: 3.500 - 4.000°F, z.B. Central Valley, San Diego County.

Zone 5: Über 4.000°F, Teile des Central Val1ey; vgl. Algerien.

Northern Coast Region

(nördlich von San Francisco, im Westen durch das Delta und Sacramento Valley begrenzt).

Das nördlichste Anbaugebiet in Kalifornien ist nicht nur wegen seiner Weine berühmt, sondern hat daneben andere kulinarische Highlights zu bieten: Käse und Bier aus kleinen Brauereien. Napa und Sonoma Valley sind zweifellos die bekanntesten und wichtigsten kalifornischen Weinregionen, doch daneben haben sich weitere unter Kennern einen guten Ruf erworben, so das Alexander Valley, die Russian River Area oder das Mendocino County.

Napa Valley

Kaum zwei Autostunden nordwestlich von San Francisco befindlich, steht das Napa Valley heute beinahe synonym für kalifornischen Spitzenwein. Der Name des 48 km langen, zwischen 1,6 und 8 km breiten Tales, das im Süden durch die San Pablo Bay, im Norden durch den Vulkankegel des Mount St. Helena, im Westen durch die Mayacamas Range und im Osten durch die Vaca Range begrenzt wird, geht auf die Ureinwohner zurück: "Napa" bedeutete in ihrer Sprache "Fülle", doch nannten sie selber das Tal "Ta-La-Ha-Lu-Si" (schönes Tal). Es rühmt sich heute, die "world famous wine growing region" zu sein, in der es tagsüber sehr heiß ist und über Nacht durch Nebel zu Abkühlung kommt. Hier flnden sich fast 30 unterschiedliche Bodenarten und fünf Mikroklimate, drei davon in der Talsohle - wo sich die kühlste Region im Süden, die wärmste um Calistoga im Norden befindet - und jeweils eines auf jeder der beiden Bergketten. Im Westen, in rund 600 m Höhe, herrschen kühle Ozeanwinde vor, während die östlichen Berge sonnenexponiert sind und sich fast wüstenähnlich präsentieren.

Insgesamt ergibt sich ein deutlich differenziertes Tal, das neben zahlreichen herausragenden Einzellagen derzeit elf

Unterappellationen aufweist. Die herrschenden günstigen Bedingungen haben dafür gesorgt, daß sich mittlerweile über 200 Weingüter im Tal angesiedelt haben - in den 60ern waren es kaum zehn! "Gott hat zuerst Himmel und Erde erschaffen, dann sofort das Napa Valley", heißt eine Redensart im "berühmtesten Weinanbaugebiet der Welt". Das mag zwar etwas dick aufgetragen sein, doch die sich in letzter Zeit häufenden internationalen Auszeichnungen und die inzwischen allgemein anerkannte Spitzenqualität sprechen für sich. Der Ruf aber natürlich auch die landschaftliche Schönheit der Region und ihr breites Angebot, ziehen rund 5 Mio. Besucher pro Jahr aus aller Welt an, die etwa 600 Mio. Dollar in die Kassen bringen. Über 17 000 Jobs stehen in Verbindung mit der Wein- und der damit eng verbundenen Tourismusindustrie.

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Napa Valley gilt inzwischen nicht nur als Weinhochburg, sondern auch als Feinschmeckerparadies und ist Sitz des berühmten Culinary Institute of America. Napa City, das eigentliche "Tor" zum Tal, wurde 1848 gegründet und ist mit seinen etwa 60 000 Einwohnern das größte städtische Zentrum der Region. Weitere wichtige Orte sind Yountville, St. Helena - der wirtschaftliche Mittelpunkt des Tals - und das ganz im Norden gelegene, für seine Thermalbäder bekannte Calistoga. Die über 200 Weingüter zusammengeschlossen in der Napa Valley Vintners Association (*1944), produzieren in erster Linie zwei Hauptsorten: Cabernet Sauvignon und Chardonnay. Dahinter behaupten sich Sauvignon Blanc und Pinot Noir, vor Zinfandel und Chenin Blanc. Trotz seines Rufs und der Tatsache, daß sich 25% aller kalifornischen Weingüter hier befinden, entfallen nur 4% der Gesamtproduktion Kaliforniens auf das Napa Valley.

Qualität steht eindeutig vor Quantität (durchschnittlich 4 tons/acre). Das ganze Tal ist längst eine Appellation, im

Laufe der Jahre konnten sich jedoch einzelne kleinere Regionen als SubAVAs etablieren, elf sind es derzeit, mit steigender Tendenz. Berühmt sind Stags Leap (Cabernet S., Merlot, Cabernet Franc; z.B. Stags'Leap, Shafer oder Mondavi), Howell Mountain, berühmt fur seine Bergtrauben, oder Rutherford, wo die besten Cabs herkommen.

Los Carneros

Das zwischen Napa und Sonoma, an der nördlichen Küste der San Pablo Bay gelegene Weinanbaugebiet "Los Carneros" (ca. 4000 ha) ist speziell für Pinot Noir und Chardonnay - und dementsprechend für Schaumwein-produktion - bekannt. Nur eine Autostunde nördlich von San Francisco, wurde hier ursprünglich Schaf- und Rinderzucht betrieben, und man nannte das Gebiet deshalb "El Rincon de los Carneros". Schon in den 1870ern wurde die Region als Weinbaugebiet entdeckt, doch erst in den 60ern erlebte sie einen Boom. Seit 1983 ist Carneros eine eigene Appellation, die die County-Grenzen (Napa/Sonoma) außer acht läßt. Dank des kühlen Klimas - die Nähe zur San Pablo Bay hat reichlich Nebel und kühle Seewinde zur Folge, die die Tagestemperaturen im Sommer niedriger ausfallen lassen -, der sandigen Lehmböden und der geringen Niederschlagsmengen ist Carneros das ideale Anbaugebiet für Chardonnay und Pinot Noir. Das kühle Klima sorgt für eine längere Wachstumsperiode, die Trauben reifen langsamer und bilden konzentriertere Früchte aus. In letzter Zeit werden auch Merlot und Rhone-sorten, z.B. Syrah (beispielsweise Cline), angebaut. Weinbauern und Winzer dieser Region sind zur Carneros Quality Alliance zusammengeschlossen.

Sonoma County

Jack London nannte das Sonoma Valley, ein etwa 27x11 km großes (oder eher, kleines) Tal, im Osten von den Mayacamas Bergen, im Westen durch die Sonoma Mountains begrenzt, einmal das "Valley of the Moon". Im Unterschied zum Napa Valley fällt hier sofort die stärker ländliche Prägung ins Auge, neben Weinanbau und Tourismus spielen Viehzucht, Gemüse- und Obstanbau sowie Gartenbau eine Rolle. Die Weingüter sind im Schnitt kleiner, häufig noch in Familienbesitz, und die Region ist insgesamt weniger aufgeputzt und überlaufen als das Napa Valley. Entlang des Hwy. 12 liegen nicht nur die Hauptorte Sonoma und Glen Ellen, die Route führt weiter nach Santa Rosa, dem städtischen Zentrum der Weinregion. Das Valley selbst ist aber nur ein kleiner Teil des Sonoma County, das sich weiter bis an den Pazifik erstreckt. Eigentlich ist das geographisch dominierende Element des Sonoma County das Russian River Valley mit seinen Seitentälern. Auch Sonoma genießt unter Gourmet seinen guten Ruf: Käse, Obst, Cidre und biologisch angebaute Lebensmittel locken gerade an Wochenenden die gesundheitsbewußten Bewohner aus San Francisco an.

Fast 40 Weingüter befinden sich im Sonoma Valley (über 125 im County, vereint in der Sonoma County Wineries

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Association), das für Kalifornien und den Weinbau historisch bedeutsam war: Neben den Indianern lebten hier bereits ab 1809 russische Pelzjäger, ehe 1823 die nördlichste und letzte spanisch-mexikanische Mission San Francisco de Solano de Sonoma gegründet wurde. Die von dem spanischen Pater Jose Altimira gepflanzten Rebstöcke übernahm nach der Säkularisierung 1834 General Mariano Guadalupe Vallejo, der später vom Grafen Haraszthy unterstützt wurde. Ein einschneidendes Ereignis war die "Bear Flag Revolt" 1846, als eine Handvoll Amerikaner in Sonoma den Aufstand gegen die mexikanische Verwaltung probte und die "Freie Republik California" ausrief, die jedoch nur kurzzeitig Bestand hatte. Mittlerweile beträgt die Rebfläche der Gemeinde mehr als 16 000 ha und werden über 5 Mio. Kisten Wein im Jahr erzeugt. Sonoma County wurde in elf Appellationen unterteilt.

Die wichtigsten Rebsorten nach Chardonnay und Cabernet Sauvignon sind Zinfandel und Pinot Noir. Daneben werden rund 20 weitere Sorten angebaut. Da es bisher noch hinreichend unbepflanzte Flächen gibt, ist in Sonoma - im Unterschied zum geographisch begrenzten Napa Valley - Expansion noch möglich. 1997 verzeichnete das Sonoma County eine Rekordernte von 170 220 t, Zuwächse waren vor allem bei Zinfandel und Pinot Noir zu verzeichnen, wobei Chardonnay weiterhin die Hauptrebsorte darstellt (64 811 t), gefolgt von Cabernet Sauvignon (26 345 t).

Die sonst übliche Klimaklassifizierung wurde im Sonoma County durch die Begriffe "Coastal Warm" und "Coastal

Cool" ersetzt, warme und kühle Küstengebiete, in denen sich zudem unterschiedliche Mikroklimate entwickeln. Warme Tage und kühle Nächte bewirken generell eine langsame Traubenreifung, d.h. höheren Säuregehalt, intensivere Farbe und sorten-spezifische Frucht. Am Spätnachmittag ziehen dichte Küstennebel hinein ins Russian River Valley und die Schwaden, die aus der San Pablo Bay nach Norden ziehen, trennen sich am Sonoma Mountain, breiten sich entlang seiner Hänge, einerseits bis nach Santa Rosa, andererseits ins Valley of the Moon, aus - das Sonoma Valley zählt so zu den kühlen Regionen. Dort wo die Nebel zuerst auftauchen und sich am längsten halten, sind die Temperaturen am niedrigsten, die Trauben reifen langsam. Die Regionen ohne kühlenden Nebel (z.B. Alexander oder Dry Creek Valley, nördlich Healdsburg, der "Coastal Warm"-Region) sind dagegen ideal für spätreifenden Cabernet oder Zinfandel.

Von den SubAVAs gehört das Dry Creek Valley zu den wärmsten, mit roten, gut durchlässigen Böden und wenig Nebel. Die Talsohle ist ideal für Chardonnay und Sauvignon Blanc, die Hanglagen dagegen optimal für die vielfach sehr alten Zinfandel-Stöcke. Im Alexander Valley dominierten einst Obst-, Nußanbau und Weiden, heute ist es mit Reben dicht bepflanzt. Ähnlich warm, ist es ideal für Cabernet Sauvignon, aber im Tal gedeihen auch Chardonnay, Johannisberg Riesling und Gewürztraminer. Der Südteil des Russian River Valley, das zweitgrößte Anbaugebiet in Sonoma, verfugt über Lehmböden und Sommernebel mit Kühleffekt, gut für Chardonnay, Pinot Noir, Sauvignon Blanc und Gewürztraminer. Der Tal-Norden ist wärmer, ideal für Pinot, Chardonnay und Zinfandel sowie vereinzelt Cabernet. Im Knights Valley gedeihen besonders Cabernet Sauvignon und Sauvignon Blanc, da es dank seiner Kessellage eine der wärmsten Ecken im Sonoma County darstellt. Sonoma Coast verfügt über ein kühles Klima und mit etwa 4600 ha über ein Drittel der Gesamtanbaufläche. In Chalk Hill, nach den hellen Vulkanascheböden benannt, und im Sonoma County Green Valley wird neben Wein- auch Obstanbau betrieben. Die Exponiertheit des Sonoma Mountain, die bis zu 500 m hohen Weingärten liegen oberhalb der Nebelgrenze, begünstigt Cabernet Sauvignon, Zinfandel, Chardonnay und Sauvignon Blanc.

Mendocino und Lake Counties

Mendocino und Lake County bilden das nördlichste Weinbaugebiet Kaliforniens, berühmt als sehenswerte Naturregion mit rauher Pazifikküste und gigantischen Redwoodwäldern. Zunächst galt diese Ecke der USA als Bierhochburg, da schon 1866 in Hopland Hopfen angebaut wurde. Inzwischen hat der Weinbau dank so berühmter Güter wie Fetzer den Brauereien den Rang abgelaufen. Erst um die Jahrhundertwende hatten italienische Siedler begonnen, Wein zu machen. Sie fanden in schmalen Küstentälern und an felsigen Bergrücken ideale Bedingungen vor - kühle Nächte und warme Tage ermöglichten langsames Reifen und sorgten für erfrischende Säure. Der Wein erlebte bezeichnenderweise während der Prohibition einen (illegalen) Boom, aber trotzdem überstand nur ein Weinberg die Zeit der DuPratt-DePati-Zinfandel-Weingarten von 1909.

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Ab den 40ern keimten erneut zaghafte Versuche auf, Wein anzubauen, doch richtig

wiederbelebt wurde das Geschäft erst in den späten 70ern. Heute existieren in Mendocino County mehr als 40 Weingüter. In dem relativ kühlen Klima gedeihen überwiegend Chardonnay, Gewürztraminer Riesling und Pinot Noir. Das in nächster Nähe zur Küste liegende Anderson Valley ist seit 1983 als AVA ausgewiesen, weiter im Landesinneren sind im Redwood Valley dank des wärmeren Klimas größere Anbauflächen zu finden. Das nördliche Potter Valley ist bekannt für seinen Riesling, doch die längste Tradition hat das Lake County, klimatisch vom Clear Lake, dem größten Süßwassersee Kaliforniens, beeinflußt, und bekannt durch Namen wie Kendall-Jackson.

Central Coastal Region

(San Francisco südwärts bis Santa Barbara)

Erst in den frühen 70ern hat sich die Erkenntnis, daß gerade an der Central Coast zahlreiche Regionen aufgrund ihrer Bodenbeschaffenheit und der Mikroklimate ideal für den Weinbau sind, herumgesprochen. Gestützt durch Untersuchungen der UC Davis, erlebt der Küstenabschnitt nördlich von Los Angeles bls hinauf nach Monterey einen gewaltigen Aufschwung. Gerade im Santa Barbara County explodiert der Anbau, und Erinnerungen an das späte 18. und 19. Jh. werden wach, als diese Region zu den Top-Weinbaugebieten zählte.

Santa Barbara County

Santa Barbara, Vorzeigestädtchen mit mediterranem Flair und spanisch-mexikanisch beeinflußter Architektur, ist zwar auch für sich einen Besuch wert, doch die beiden nahen "Wine Trails" durch den Foxen Canyon und das Santa Ynez Valley (mit Weingütern wie Foxen Winery, Firestone, Cambria, Zaca Mesa) erweitern das Angebot. Das County umfaßt zwei, durch ihre Nähe zum Hwy. 101 leicht zugängliche AVA-Regionen: Santa Maria Valley und Santa Ynez Valley. In diesem Gebiet liegen die derzeit aufstrebendsten Betriebe - derzeit 44, die über 800 000 Kisten pro Jahr herstellen und deren Aushängeschilder Chardonnay und Pinot Noir sind. 1969 waren es ganze 4 ha Fläche, doch in den 70ern setzte ein Aufschwung ein, der sich in den letzten Jahren verstärkte. Weine aus dem County sorgten bei internationalen Vergleichen fur Aufsehen und die Weinindustrie entwickelte sich im Santa Barbara County zum wichtigsten Agrarsektor.

Winzer der Region gelten als besonders innovativ, experimentierfreudig und als Vorreiter der "Terroirbewegung"

(z.B. A. Murray oder Foxen). Anders als üblich, sind die Santa Ynez Mountains einer der wenigen Bergzüge mit O-W-Ausrichtung, etwa 110 km lang. Die Täler sind dem direkten Einfluß des Pazifik ausgesetzt und abends einströmende Nebel und frische Winde machen das Tal zu einer der kühlsten und trockensten Weinregionen (Klimazonen 1/2) überhaupt. Die Böden reichen von sandigem Lehm und Ton zu Schotter, und die Wahl der passenden Rebsorten ist hier ein besonders wichtiges Kriterium. Lange Hängezeiten bewirken hochkonzentrierte Beeren. Neben Chardonnay und Pinot Noir werden Rhone- und italienische Sorten angebaut, während in wärmeren Mikroklimaten v.a. Bordeauxtrauben gedeihen.

San Luis Obispo County

Relativ jung als Weingebiet ist die Region um San Luis Obispo. Erst seit den 80ern werden hier u.a. Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Zinfandel, Sauvignon Blanc und Rhonesorten angebaut und Wein produziert, von Betrieben wie Saucelito Canyon, Alban Vineyards oder Edna Valley Vineyard. Die ost-westlich ausgerichteten Täler sind direkt dem Pazifikeinfluß ausgesetzt, was eine relativ kühle und damit lange Wachstumssaison zur Folge hat.

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Monterey County

Die Monterey Bay gilt seit der Jahrhundertwende als idyllische Zufluchtsstätte fur Begüterte, Erholungssuchende und Intellektuelle, Autoren und Künstler. Die Bucht reicht von Santa Cruz im Norden bis Carmel im Süden und das eigentliche Kernstück, das "Monterey Peninsula", umfaßt drei recht unterschiedliche Orte: Das "Luxus-Altersheim" Carmel, das jung-dynamische Städtchen Monterey und das Schmetterlingsidyll Pacific Grove. Die erst 1960 durch eine Studie der UC Davis allmählich in den Blickpunkt gerückte Weinregion umfaßt derzeit fast 40 Güter, wie Chateau Julien oder Chalone Vineyard. Es ist hier sehr trocken und bei warmen Tagen und Nebel am Morgen und Abend sowie Wind vom Pazifik, zieht sich die Wachstumsperiode lang hin. Frühe Blüte und späte Ernten erzeugen kleine Beeren mit stark konzentriertem Geschmack, die für intensive, körperreiche Weine sorgen. Wichtigste Weingegend ist das Salinas Valley, berühmt durch John Steinbecks Romane. Hier befindet sich der größte Weingarten der Welt, der San Bernabe Vineyard mit über 3400 ha!

Zu den Appellationen gehörendie Santa Lucia Highlands, das kleine Chalone-Gebiet - ca. 80ha, 600m hochgelegen,

mit großen Temperaturunterschieden im Tagesverlauf und Granitböden die hochqualitative klassische Weine hervorbringen - und San Lucas - einst von Viehweiden geprägt, heute mit Weingärten auf rund 3200 ha. Monterey gilt als das größte Anbaugebiet Hames Valley als eine der jüngsten Appellationen (*1994), mit Cabernet Sauvignon und Merlot, die an den Hängen des Arroyo Seco Canyons gedeihen, Chardonnay hingegen auf dem kühlen Talboden. Im Carmel Valley liegt der Geburtsort des kalifornischen Weins; hier soll Pater Junipero Serra den ersten Weingarten angelegt haben.

San Francisko Bay Area

Die Bucht von San Francisco ist kein geschlossenes Weinbaugebiet, doch sind die Gebiete und Orte derart eng miteinander verwachsen, daß sie eine geographische Einheit bilden, Dominiert von San Francisco, einer der beliebtesten Touristenstädte der Welt, hat die Bucht viel zu bieten. In der East Bay, der östlichen Buchtregion, liegen zwei Städte, die - obwohl ineinanderübergehend - völlig unterschiedlich sind: die pulsierende Unistadt Berkeley und das moderne Industrie- und Hafenzentrum Oakland. Die South Bay ist als High-Tech-Zentrum bekannt, einmal wegen des Silicon Valley, zum anderen aufgrund den "Denkfabrik" Stanford University. Das Zentrum bildet San Jose, eine interessante Mischung aus spanisch-mexikanischer und moderner amerikanischer Stadt. Der Weinanbau in der Bay Area konzentriert sich in den Santa Clara und Alameda Counties. Während in Santa Clara und San Jose die Mönche die Basis gelegt haben, war Robert Livermore einer der frühen Pioniere im westlich benachbarten Alameda.

Das dortige Anbaugebiet wurde nach ihm Livermore Valley (ca. 25x15km) genannt.

Weine aus dieser Region - mit heute etwa zehn Weingütern - wurden schon 1889 bei der Weltausstellung in Paris ausgezeichnet. Dank der Buchtnähe und der O-W-Talausrichtung ist das Klima ähnlich dem im Bordeaux, mit nächtlicher Abkühlung durch Nebel und Westwinde und warmen Tagen. Die zunehmende Urbanisierung des Santa Clara Counties bewirkte eine teilweise Abwanderung der Weinbauern südwärts. Die Santa Cruz Mountains, ca. 75 km südlich San Francisco in unmittelbarer Nähe zum Silicon Valley, trennen die Bucht vom Pazifik und wurden 1982 als AVA anerkannt. Gute Böden und ein ideales Klima haben in den Bergen etwa 20 herausragende, überwiegend kleinere Weingüter entstehen lassen, die schwerpunktmäßig Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Pinot Noir produzieren. Dazu gehört Ridge, in etwa 800 m Höhe gelegen, 1959 gegründet und einer der Topproduzenten Kaliforniens.

Central Valley

(Deltaregion, San Joaquin und Sacramento Valleys)

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"Zu meinen Füßen lag das große Zentraltal Kaliforniens, flach und blühend glich es einem See puren Sonnenscheins, einem einzigen fruchtbaren Garten in Gelb". Seit 1869 der berühmte kalifornische Naturforscher John Muir das gewaltige Flußtal im Zentrum Kaliforniens derart enthusiastisch beschrieben hat, ist viel passiert. Aus dem "Garten Eden" entwickelte sich innerhalb von nur hundert Jahren das "Sunkistland": ein riesiger Obst- und Gemüsegarten, in dem neben Zitrusfrüchten Pflaumen, Apfel, Trauben, Nektarinen, Nüsse und allerlei Gemüse und Salat angebaut werden. Die Heerscharen, die besonders in den 1930ern aus dem Mittleren Westen ins "Gelobte Land" zogen in der Hoffnung auf ein besseres Leben, wurden enttäuscht. John Steinbeck schilderte das Schicksal dieser Menschen, die zumeist als Tagelöhner endeten, am Beispiel des Tom Joad in "The Grapes of Wrath" (1939, dt: Früchte des Zorns, 1940), und Popstar Bruce Springsteen machte mit seinem 1995 erschienenen Album "The Ghost of Tom Joad" klar, daß sich die Verhältnisse bis heute kaum verändert haben und noch immer wenige reiche Großgrundbesitzer Heerscharen armer Erntearbeiter, v.a. Mexikaner um sich scharen.

Das große Längstal, das sich über 700 km von Nord nach Süd erstreckt und zwischen 40 und

80 km breit ist, wird im Osten von der mächtigen Sierra Nevada und im Westen von der Coastal Range, der parallel zum Pazifikufer verlaufenden Bergkette, begrenzt - Gegebenheiten, die eine Art Kessel entstehen lassen, in dem hohe Temperaturen herrschen. Die beiden größten Städte des Central Valleys, Sacramento im Norden und Bakersfield im Süden, werden durch den Hwy. 99 miteinander verbunden. Dazwischen passiert man Städte wie Stockton - im Zentrum des Deltas inmitten eines Labyrinths von Wasserwegen gelegen -, Modesto, Merced - "Gateway to Yosemite" -, Fresno, das Agrarzentrum des Tals, und Visalia, Ausgangspunkt zu den Sequoia-und Kings Canyon Nationalparks. In dem scheinbar endlosen Tal werden mittlerweile 60% aller Trauben, die in den USA geerntet werden, angebaut. Der Großteil davon wandert wegen des hohen Zuckergehalts in die Rosinenproduktion. Die gigantischen Anbauflächen erfordern nicht nur den Einsatz von Maschinen, sondern haben zudem Großbetriebe, wie Gallo Modesto, entstehen lassen, die mehrere hundert Millionen Flaschen jährlich produzieren.

Den Grundstein für den Weinanbau legten um 1850 Charles Weber bei Stockton und etwa 20 Jahre später Francis Eisen bei Fresno. Während der Prohibition konzentrierte man sich in erster Linie auf den Anbau von Alicante Bouchet, eine Traubensorte, die sich aufgrund ihrer dicken, unempfindlichen Haut gut an die Ostküste zu den "Home Winemakers" - den Hobbywinzern - transportieren ließ. Das Central Valley besteht aus zwei Teilen: dem Sacramento-River-Tal im Norden und dem San-Joaquin-Tal im Süden. Im Zentrum liegt das sog. Delta, wo sich beide Flüsse vereinen, ehe sie sich in die San Francisco Bay ergießen. Im San-Joaquin-Tal befindet sich mehr als 50% der Gesamtweinanbaufläche Kaliforniens, dort entstehen fast 80% aller kalifornischen Weine. Der äußerst fruchtbare Boden, das heiße Klima und die gute Bewässerung sorgen für hohe Erträge. Zu den Hauptregionen, die zuletzt vermehrt auf Qualität neben Quantität setzen, gehört Lodi (zwischen Stockton und Sacramento). Um gute Qualität bemühen sich auch UC Davis und die Weinbauschule in Fresno, die Sorten mit dichtem Laub zum besseren Sonnenschutz züchteten und Klone entwickelten, die selbst bei viel Sonnenschein ausreichend Säure produzieren. Heute wird überwiegend French Colombard angebaut, gefolgt von Chenin Blanc und - mit Abstand -Grenache, Carignan und Barbera.

Sierra Nevada Region

(Südöstlich von Sacramento bis Mariposa)

Am 24.1.1848 entdeckte der Zimmermann James W. Marshall, der in Diensten des gebürtigen Schweizers John Sutter stand, im Sacramento River ein paar Klümpchen Gold. Der Versuch, diesen spektakulären Fund geheimzuhalten, scheiterte kläglich: "Gold, Gold on the American River!" meldeten schon bald die Tageszeitungen und ein Stein war ins Rollen gebracht. Das Goldfieber griff um sich, einhergehend mit Spekulantentum, Habgier und Bevölkerungsanstieg. Neben diesen negativen Effekten legte dieses Ereignis aber zugleich den Grundstein für den Anbruch der "Moderne". Begleiterscheinungen waren nämlich die Industrialisierung und, mit steigender Nachfrage an Luxusgütern, die Kommerzialisierung des Weinbaus. Viele gescheiterte Goldgräber, v.a. italienische Immigranten, versuchten sich als Winzer und fanden dabei drei wahre Goldgrube. Etwa 100 hatten sich gegen 1880 schon im El Dorado County niedergelassen, das um 1920 seinen Höhepunkt erlebte. Erst Reblaus und Prohibition setzten dem Aufschwung der Weinindustrie ein Ende.

Seine Wiedergeburt erlebte der Weinbau hier in den 1960ern, als Zinfandel im Napa Valley "wieder-entdeckt" wurde

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und zudem die UC Davis anhand von Versuchen feststellte, daß daneben auch Cabernet Sauvignon und Riesling für dieses Gebiet hervorragend geeignet wären. Im Zentrum steht auch heute wieder El Dorado, wo Rebstöcke auf Terrassen in bis zu 1000 m Höhe zu finden sind. Zwar herrschen warme Sommer, doch sorgen kühlende Winde aus der Sierra für ideale klimatische Bedingungen. Die dominierende Sorte ist Zinfandel geblieben, zumal diese Trauben auch in anderen Regionen begehrt sind und ein Teil der Früchte unter anderem nach Napa und Sonoma wandert. Das Gold Country erschließt sich dem Besucher am besten über den Historic Highway 49, der sogenannte Golden Chain Highway, der über 500 km von Oakhurst im Süden bis Vinton im Norden entlang der Mother Lode, der Hauptgoldader in den Bergen, verläuft.

Southern California

(Malibu bis San Diego)

Zwischen Los Angeles und San Diego wurde einst der erste kalifornische Wein gekeltert und in den 1850ern galt die Region um L.A. und Anaheim als erstes Weinbauzentrum der Neuen Welt, in dem bis zu 216 000 Liter Wein produziert wurden. Pflanzenschädlinge und vor allem Baukräne ließen das vormalige Weinzentrum an der South Coast auf heute 3,5% der Gesamtrebfläche schrumpfen. Es konzentriert sich um Temecula im Riverside County, östlich der Interstate 15. Das Gebiet entlang der Rancho California Road im Temecula Valley ist eines der jüngsten Anbaugebiete, das erst Anfang der 70er entstand. Von bis zu 500 m hohen Bergen gerahmt, steht es klimatisch unter dem Einfluß des kaum 40 km entfernten Pazifiks; besonders nachts.

Eine Liste mitWeingütern in Kalifornien!