Zuckerschnaps
19. November 2008 von Kornelius NägeleHeute mal nicht über Wein, sondern über Zuckerrohrschnaps: Cachaça. In Deutschland kennt jeder Caipirinha: aus Lemonen, Pitú und braunem Zucker, bissl stampfen, ordentlich Eis rein. Heute bin ich in den Genuss gekommen mit einem Brasilianer Caipirinha zu trinken, und konnte einiges dazu lernen. Vorne weg: das war der beste “Caipi” den ich je getrunken habe, meilenweit entfernt von allem anderen Fusel den ich je als Caipi angedreht bekommen habe.
Was war drin? Lemonen, von hier, aus dem Supermarkt. Weisser(!) Zucker. Und ein Cachaça, den ich in meinem ganzen Leben wahrscheinlich nicht vergessen werde: Er kommt, genauso wie mein brasilianischer Gast, aus Florianapolis, einer Insel im Süden Brasiliens. Der Cachaça wird dort noch richtig aus dem Mittelstück des Zuckerrohrs gepresst, einen Tag vergärt und dann 3-6 Monate in Holzfässern aufbewahrt. Je nach verwendeter Holzart entstehen so die unterschiedlichsten Geschmäcker, und es gibt Cachaças die - genauso wie Whisky - über mehrere Jahre in den Holzfässern lagern. Richtig brasilianisch wird es, wenn man für alle Gäste nur ein einziges, grosses Glas verwendet, die Lemonen schön stampft, und dann mit normalem, weissen Zucker, dem Cachaça und dem Eis mischt. Alles was danach passiert, kann man kaum in Worte fassen: Der Caipirinha ist eine reine Geschmacksexplosion aus Frucht und die Säure und die Süsse spielen im Mund. Es ist unglaublich. Mit dem ersten Schluck dachte ich: “Wow, wo kommen diese Lemonen her?!”. Aber dann ließ ich mir erklären dass es nicht die Lemonen sind, sondern der Cachaça der das ganze so fruchtig-süss macht. Mittlerweile denke ich darüber nach, diesen Cachaça nach Deutschland zu importieren, da er aus einer winzigen Brennerei stammt. Für die Zwischenzeit habe ich mir sagen lassen, dass man auch den in Deutschland erhältlichen Ypioca trinken kann, nur von Pitú (=billiges, industriell hergestelltes Massenprodukt) tunlichst die Finger lassen sollte. Dass in Brasilien, dem Land des Zuckerrohrs, kein brauner Zucker (so wie man sich das ja in Deutschland immer vorstellt) verwendet wird, ist der Tatsache geschuldet, dass der erdige Geschmack des braunen Zuckers den Caipi verderben würde. Leider kann ich jetzt erstmal keinen Caipi in irgendwelchen Bars mehr trinken, aber ich freue mich schon wenn mein bestellter Ypioca Ouro (der übrigens auch nicht wesentlich mehr kostet als der Pitú) geliefert wird. Dann gibts erstmal Caipi aufs Haus.
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